Das Dorfleben

 

Damals im Dorf zur Zeit vor und nach der Vereinsgründung

Daß in früheren Zeiten auf einem Bauernhof weit über zehn Personen in einer Familie lebten, war auf dem platten Lande nicht ungewöhnlich. Bäuerin und Bauer mit zehn Kindern, Magd und Knecht waren keine Seltenheit. Ganz normal war es, daß die Kinder auf dem Hof recht fleißig mit anpacken mussten. Während der Erntezeit sogar vor Beginn des Schulunterrichtes. So kam es auch vor, daß zehn- bis zwölfjährige Mädchen und Jungen bis zu einer halben Stunde, bevor sie sich auf den Weg zur Schule machten, zum Beispiel beim Dreschen mithelfen mussten. Die Mädchen trugen Garben heran, und die Jungen führten die Pferde am Göpel. Der Göpel bestand aus einem großen Zahnrad an dem ein langer Baumstamm befestigt war. Das Zahnrad war parallel zum Erdboden angeordnet und mit einer Welle verbunden, die ebenerdig angelegt, die Dreschmaschine antrieb. Etwa 1,50 m maß der Durchmesser eines solchen Zahnrades. Der Stamm war bis zu 3,00 m lang. Die Welle befand sich in einer Furche, die mit Brettern abgedeckt war, damit die Pferde ungehindert darüber gehen konnten.  

Auszug aus einem früheren Verkaufsprospekt

Quelle: „Technische Denkmäler im Kreis Steinfurt“ von H. Ketteler

Angebaut wurden zur damaligen Zeit in der Landwirtschaft Roggen, Kartoffeln, Hafer, Steckrüben und Buchweizen. Als Dünger diente Stallmist, denn Kunstdünger war den Bauern zu teuer. Jauche wurde damals zum Düngen der Äcker und Wiesen nicht allzu häufig genutzt. Reichte das Stroh nicht, wurde es mit Heidekraut vermischt. Im Gegensatz zu heute musste man sonntags früher aufstehen als werktags. Das lag daran, weil der Milchwagen eine halbe Stunde früher kam als wochentags. Es musste also früher gemolken werden. Man stand anstatt um 5.00 Uhr eine halbe Stunde eher auf. Das Vieh wurde gefüttert und gemolken. Anschließend machte sich jeder schick zum Kirchgang. Wegen des damals noch sehr strengen Nüchternheitsgebotes der Kirche wurde erst nach Rückkehr von der heiligen Messe gefrühstückt.

Im besten Anzug und in Lederschuhen - ansonsten wurden ausschließlich Holzschuhe getragen - ging es zu sieben Uhr in die heilige Messe. Eine weitere Messe fand um zehn Uhr statt. Nach dem Gottesdienst trafen sich die Männer in den Gaststätten zum Frühschoppen, während die Frauen die Einkäufe besorgten. Die Geschäfte waren auch sonntags geöffnet. Bei Lanvers gab es Kolonialwaren und bei Kortmann an der Ems Backwaren und auch Schwarzbrot in Form eines vierkantigen Laibes, der bis zu 20 Pfund wog. Das Roggenmehl dafür konnte man bis freitags vor dem Backtag beim Bäcker abgeben. Das klingt für unsere Ohren heute alles sehr fern und fremd. Dass der Bäcker auch das Brot ins Haus brachte, wie es Bäcker Kortmann wochentags machte, hat sich hingegen bis in unsere heutige Zeit hier und da gehalten.

Oberhalb des Mühlenpättkens, dort wo heute die Familie Richter wohnt, stand die Hemberger Windmühle. Wehte mal kein Wind, wurde mit Dieselmotor gemahlen. Ab 1926 wurde die Dorfgemeinde Hembergen an das Stromnetz angeschlossen und die Bauern betrieben von da an eigene Schrotmühlen. Außer der Windmühle unterhielt der damalige Müller Kortendiek eine kleine Fabrik zur Herstellung von Aufnehmern. Mit seinem Fabrikmotor wollte der Müller Kortendiek für die Stromversorgung in Hembergen sorgen. Dieses Angebot lehnte der damalige Gemeindevertreter und Wirt Felix Löbke ab, weil er eine unregelmäßige Strombelieferung befürchtete, da besagter Müller wohl hin und wieder mal ein Gläschen zuviel trank. So fand auf Drängen von Felix Löbke im Jahre 1925 eine Versammlung der Gemeindevertretung bei Lanvers statt, die dann am 8. April 1926 beschloss, ab sofort Strom von der VEW (auch damals noch als Westfalenwerk bekannt) zu beziehen, worauf Felix Löbke dann einen Antrag auf Elektrifizierung von Hembergen stellte. Zunächst gab es nur Lichtstrom und noch kein Kraftstrom. Mehr als 9 Lampen pro Haushalt waren nicht zulässig. Am 15. September 1926 brannten die ersten elektrischen Lampen im Dorf.  

 

Aus Schule und Beruf

Dort, wo heute das Haus von Georg und Mathilde Teltenkötter steht, befand sich die einräumige und einklassige Schule. Lehrer Donner unterrichtete etwa 60 bis 70 Schüler und Schülerinnen. Die älteren Jahrgänge, meist die gut lernenden Mädchen des achten Jahrgangs durften sich als „Hilfslehrer“ üben und den „1-Männchen“ das Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen. Im Jahre 1908 weihte Pfarrer Brand die neue zweitklassige Schule ein, der auch eine Wohnung für eine Lehrerin angegliedert war. Zur Eröffnung der neuen Schule wurde Frl. Maria Schulte aus Greven als zweite Lehrkraft eingestellt. Die Hembergener Lehrer haben z.T. zwei Generationen unterrichtet. Mit der Einweihung der neuen Schule blickte Lehrer Josef Donner mittlerweile auf 28 Dienstjahre zurück. Frl. Schulte kam als Junglehrerin und blieb bis zur Erreichung des Pensionsalters. In der neuen Schule hatte sich nicht nur die Zahl der Klassenzimmer auf zwei erhöht, und war eine zusätzliche Lehrerin eingestellt worden; es gab erstmals einen richtigen Schulhof, den die Kinder in den Pausen grundsätzlich nicht verlassen durften. Dies war sicherlich eine große Umstellung für die bis dahin „freiheitsliebenden“ Hembergener Schüler, denn zu Zeiten der alten Schule galt das gesamte Dorf als „Schulhof“. Wenn man überhaupt von einem solchen sprechen konnte.

Es war selbstverständlich, dass man vor Beginn des Unterrichtes die heilige Messe besuchte. Wer gefehlt hatte, musste mit harten Strafen rechnen. Während des Krieges 1917 besuchten 136 Kinder die Schule. Davon waren dreißig so genannte „lndustriekinder“, die überwiegend aus dem Ruhrgebiet kamen und wegen unzureichender Ernährung aufs Land geschickt wurden. Die Gesamteinwohnerzahl betrug rund 300.

Mit 14 Jahren wurden die Kinder aus der Schule entlassen. An diese Zeit erinnert sich Richard Kortmann heute im Alter von 88 Jahren noch sehr genau: „Nach der Schulentlassung habe ich ein Jahr auf dem Hofe Autmaring gearbeitet. Der damalige Pächter war ein Wilhelm Brand, der später nach Osterwick zog. Geschlafen habe ich zu Hause. Frühstück gab es auf dem Hof. Üblich war Malzkaffee ohne Zucker - der Kaffee wurde selbst aus Roggen bebrannt - dazu ein Marmeladenbrot, das im Winter nach dem Schlachten schon mal mit einem Schmalzbrot abwechselte. Der damalige Pächter hatte mit einer Kuh, einem Rind und zwei Pferden angefangen. Kuh und Rind wurden aus Brochterbeck geholt. Da man auf dem Rückweg den Weg verloren hatte, ließ man kurzentschlossen den Pferden freien Lauf, und diese fanden ohne Probleme den Weg allein durch das Saerbecker Feld zurück zum Hof. Meistens habe ich mit den Pferden gearbeitet. Später kam ein drittes dazu. Zum Pflügen stand ein hölzerner Einscharpflug zur Verfügung. Gearbeitet wurde werktags von morgens sieben bis abends halb sieben Uhr. Sonntags war frei. Pro Tag verdiente man 2 Mark. Zu Mittag gab es beim Bauern meistens Steckrübengemüse als Eintopf. Ab 1924 bekam ich dann beim Wasserbauamt Rheine eine feste Anstellung und verdiente 2,40 Mark pro Tag. Der Lohn wurde nach 1-2 Jahren auf 3,20 Mark erhöht“.

Für einen Sonntagsanzug, so erinnert sich Richard Kortmann, musste man etwa 50 Mark bezahlen. Das war fast ein Monatslohn. Bei solchen Investitionen musste das gute Stück viele Jahre halten, was auch kein Problem war. Es wurden nur gute Stoffe dazu ausgewählt, und es war selbstverständlich, dass der Anzug bei einem Schneider in Auftrag gegeben wurde. Als Farben konnte man wählen zwischen dunkelblau, grau oder braun; als Muster gestreift oder kariert, beides war modern. Zu besonderen Festlichkeiten, wie zum Beispiel Hochzeiten, lieh man sich einen schwarzen so genannten Schwalbenschwanz. Heiratete jemand aus der Dorfgemeinschaft, wurde fast ein jeder zu dieser Feier eingeladen. Als Geschenk gab man meistens einen Taler (3 Mark). Es gehörte sich, dass man zu einer solchen Festlichkeit sein eigenes Besteck und Servietten mitbrachte. Außer dem Schützenverein gab es noch die Männersodalität“. Eine ihrer Hauptaktivitäten war die Planung und die Durchführung des 4Ostündigen Gebetes, an dem auch damals die Berufstätigen selbstverständlich sehr rege teilnahmen.    

 

Emspartie mit noch natürlichem Ufer  

 

Postwesen/amtl. Bekanntmachungen

Morgens kam der Briefträger mit einer kleinen Kutsche, in der auch ohne weiteres 2-3 Personen Platz hatten (wohl heute als bescheidene Vorläufer des Stadtbusses zu sehen), von Emsdetten nach Hembergen. Das so genannte Kaupsche Schöppken (gegenüber Lanvers) diente als Unterstand für die Pferde. Die Post wurde an die Kinder in der Schule verteilt. Wenn es erforderlich war, kam die Kutsche nachmittags ein zweites Mal. Auch sonntags wurde Post verteilt, und zwar nach dem Hochamt an der Kirche. Während die Pferde sich ausruhten, stand die Kutsche dort, wo sich heute der Hoteltrakt des Hauses Lanvers-Gier erstreckt. Die Postkutsche war gleichzeitig die erste mobile Poststation in Hembergen. Hier konnten Briefmarken gekauft und Pakete aufgegeben werden. Später wurde zunächst im Hause des Bäckers Kortmann und einige Jahre danach beim Schuster Prott eine ständige Poststation eingerichtet, die dann am 31.12.1971 für immer ihre Pforten schloss, weil es sich nicht mehr lohnte. Am Schöppken von Kaup‘s war auch das „Schwarze Brett“ für amtliche Bekanntmachungen angebracht. Am 1. Juni 1912 beschloß die Gemeindevertretung folgendes Ortsstatut: „Die in den Gesetzen und Verordnungen vorgeschriebenen ortsüblichen Veröffentlichungen und Bekanntmachungen der Gemeindebehörden erfolgen mit rechtsverbindlicher Kraft für die Beteiligten durch einmalige Aufnahme in die Emsdettener Volkszeitung.“ Es war auch üblich, dass öffentliche Bekanntmachungen sonntags morgens nach dem Hochamt draußen verlesen wurden.  

 

Bahnhof/Ziegelei/Fähre  

Hembergen bekam einen eigenen Bahnhof. Am 13. Februar 1912 sprach sich die Gemeindevertretung dafür aus, daß zwischen den Stationen Emsdetten und Greven ein Eisenbahnhaltepunkt unweit der Schule in Herbern (heute Bahnhof Reckenfeld) angelegt werden solle. Nur an dieser Stelle sollten die Hembergener zu-oder einsteigen können.  

Die Ziegelei auf der „Wohrt‘. Die drei Herren im Vordergrund sind vermutlich Albinus, Ludwig und Felix Autmaring. Das Foto entstand um die Jahrhundertwende.  

Nach 26 Betriebsjahren erlosch im Jahre 1913 endgültig der Ofen in der Ziegelei Schulze Autmaring. Die Anlage wurde komplett abgebrochen. Die Ziegelei befand sich auf der „Wohrt“, dem Gelände zwischen dem Bauern Hilmer und der Emsbrücke. Das Rohmaterial - Lehm - für die Ziegelherstellung lieferte die nahegelegene Lehmkuhle zwischen dem Bauern Oelck und der Ems. Die Ziegel waren besonders hart und von roter und gelber Farbe. Auf dem Hofe der Familie W. Oelck kann man das damalige Produkt noch heute betrachten. Das Hauptgebäude wurde mit hier hergestellten Ziegelsteinen aufgemauert. Teile der Grundstücke Stöppel/Lehmkuhl (heute Teltenkötter) bildeten die sogenannte Schippkuhle. Sie diente als Ausweichstelle für die Emspünten, die für den Abtransport der Ziegel sorgten. In der Nähe des Hofes Häder befand sich eine weitere Ziegelei, die zum Hofe Engberding gehörte.

Die Fähre gehörte früher zur Pastorat. Der Pastor ließ sie durch einen Knecht verwalten. Damals war nur ein Personenschiff vorhanden. Nachträglich übernahm die Gemeinde die Fähre. So ward sie zur Gemeindefähre. Zum Übersetzen der Fuhrwerke und Wagen baute die Gemeinde ein großes Schiff, während der Personenkahn sogenanntes „lnteressenschiff“ wurde. Verwalter und damit Fährmann wurden nacheinander: Lefers, Kortmann, Kaup und Jürgens. Im Jahre 1952 wurde der Fährbetrieb eingestellt.

Acht Jahre lang waren die Hembergener Bauern von ihren Feldern auf der anderen Emsseite abgeschnitten. Da war es nur verständlich, dass die Einweihung der neuen Brücke am 29. Juni 1960 von der Hembergener Bevölkerung als großes Ereignis gefeiert wurde.

Große und kleine Emsfähre im Jahr vor der Stilllegung  

An die letzte Fährfrau, die heutige Wirtin Anni Kappenhagen, erinnert sich Heinz Determann besonders gern: „Wenn wir als Kinder auf dem Pentruper Emsufer das Klingelzeichen zum „hol‘ über“ mit dem Seil gegeben hatten, blickten wir erwartungsvoll in Richtung „Fährpättken“. Groß war dann die Freude, wenn Anni kam. Bei ihr brauchten wir nur 5 Pfg pro Person bezahlen. Ihre Mutter Johanna nahm 10 Pfg und der Vater Felix Jürgens den Normaltarif von 15 Pfg.“

Eine weitere Fährverbindung nach Saerbeck, die von der Familie Kloppenborg-Mersmann unterhalten wurde, stellte ihren Betrieb im Jahre 1945 ein. Die unweit der ehemaligen Fähre errichtete Brücke wurde am 17. Oktober 1955 eingeweiht.

Wie man früher feierte

Wie schon zu Kaiser‘s Zeiten, so feierte auch der Bürgerverein sein Schützenfest am zweiten Montag im Juli. (So wie es damals und auch noch heute in Emsdetten gehandhabt wird.) Das muntere Treiben begann immer um 13.00 Uhr mit dem Antreten im Dorf. Mit Blasmusik marschierten die Schützen in‘ s „Bail“, wo ab dem Jahre 1921 in der Nähe des Hofes Löbke die Vogelstange aufgebaut war. Dass die Männer dort beim Vogelschießen - mal abgesehen von den Kindern - unter sich waren, war viele Jahrzehnte lang selbstverständlich. Erster Vogelkönig des neuen Vereins wurde im Jahre 1921 Heinrich Reinermann, der Elli Mersmann zu seiner Königin erkor.

Mittags beim Antreten schmückten frische Blumen den Handstock, den man wie heute als „Gewehr“ über der Schulter trug. Nach dem Königsschuss wurden die Blumen entfernt und man steckte sich zu Ehren des neuen Königspaares frisches Eichenlaub entweder an den Handstock oder an den Hut. Weiße Hosen kannte man noch nicht. Es war das „Hochfest“ des Jahres, und so ging man im besten Sonntagsanzug mit Hut. Der Oberst und seine beiden Adjutanten trugen Uniformen und hatten jeder ein Pferd zur Verfügung.

Das Vogelschießen dauerte meistens bis ca. 16.00 Uhr. Sofort nach dem Königsschuss machten sich dann die Reiter auf den Weg, um die Königin und die Ehrendamen zu benachrichtigen. Einmal - so wird berichtet - musste die Kunde einer Königin übermittelt werden, die zu dem Zeitpunkt noch an ihrem Arbeitsplatz - einer Fabrik in Emsdetten - fleißig war. Das war Grund genug, auf der darauffolgenden Versammlung zu beschließen, dass die künftige Königin aus Hembergen kommen, oder aber schon am Ort sein musste. Als man nach 1969 auf den Einsatz von Pferden verzichtete und die Motorisierung weiter vorangeschritten war, verlor der damalige Beschluss seine Bedeutung.

Um die Zeit zwischen Königsschuss und Antreten zum Ausholen der Königin unter der Vogelstange „schüttenbeersgerecht“ zu verbringen, wurde auf einen Knubben geschossen. Der Knubben ist bis heute ein etwa 15 cm hohes Stück Birkenstamm an dem, durch Drähte verbunden, Sterne angebracht sind. Wer diese abschoss, bekam ein kleines Preisgeld. Derjenige, der die Reste des Holzstückes „herunterholte“, war Knubbenkönig, gab unter der Vogelstange eine runde Bier an die Mitglieder aus und hatte ansonsten keine weitere Verpflichtung. In der Chronik des Jahres 1934 wird zum ersten Mal von einem Preisschießen gesprochen. Später wird es auch mal Sternschießen genannt. Aber niemals wurde ein Knubben-König im Jahresbericht namentlich festgehalten. Dieses Ritual hielt sich bis zum Schützenfest 1980.

Nach dem Ausholen der Königin folgte. ein Umzug mit dem neuen Königspaar durch‘s Dorf zum jeweiligen Festsaal. Dort gab es den Ehrentanz für das Königspaar und anschließend genoss man die Zeit - wenn es das Wetter erlaubte - draußen bei Kaffee und Kuchen. Es gab Apfel- und Pflaumenkuchen. Danach war Tanz für alle. Und wenn man der Chronik Glauben schenken darf, feierte die Gesellschaft meistens bis die Sonne wieder aufging. Der darauf folgende Dienstag muss für einige Schützenbrüder wohl immer ein „schwerer“ Tag gewesen sein, denn es war ein normaler Arbeitstag. Hexen kam erst später auf. Eine offizielle Nachfeier, nachdem die Ernte eingebracht war, gab es noch nicht. Diese wurde erst später eingeführt.

Seit Anfang der 20er Jahre spielten Musiker aus Saerbeck zum Schützenfest. So etwa ab 1925 wurden sie durch Grevener abgelöst, die noch bis in die 50er Jahre für den richtigen Takt und Stimmung sorgten. Zu jedem Fest steht in der Chronik festgehalten: „Die Musik gab ihr Bestes.“ An die damaligen Preise wollen wir an dieser Stelle natürlich auch erinnern: Anfang bis Mitte der 20er Jahre kostete ein Glas Bier 10 Pfg., ein Schnaps 5 Pfg und für einen ganzen Liter Schnaps musste man den „stolzen“ Preis von 80 Pfg bezahlen. Das hört sich paradiesisch an aus heutiger Sicht. War es aber damals ganz und gar nicht. Wenn man vergleicht, was Richard Kortmann beim Wasserbauamt in fester Anstellung pro Tag im Jahre 1924 verdiente. Nämlich ganze 2,40 Mark. Und das für einen Arbeitstag von morgens sieben bis abends halb sieben. Was kann man daraus schließen? Entweder hat man früher zu wenig verdient, oder das Bier ist heute zu billig!?  

Gruppenbild „unner de Vuogelrode“. WiIh. Qelck mit Federbusch, Paul Prott mit Handstock.  

Schützenfest 1934. Gratulation an die neue Majestät Alfons Kamp.

Weitere Personen sind: Hubert Löckemann, Willi Löbke, Theodor Woestmeyer, Heinrich Stöppel, Bernhard Lodde, Martin Mersmann, Heinrich Schröder, Wienhold Wernsmann und Theo Lehmkuhl.  

Schützenfest 1934. Auf dem Weg von der Vogelstange zur Gaststätte Lanvers-Gier, um die neue Königin auszuholen. Hinter dem Fahnenträger Heinrich Helmer marschiert der neue König Alfons Kamp.

Schützenfest 1931. Ausholen der Königin bei Lanvers-Gier. Hinter der Königin Trudchen Tomdick der König Hubert Ahlert. Deutlich zu erkennen: das frische Eichenlaub an den Hüten der angetretenen Schützenbrüder zu Ehren des neuen Königspaares.

Antonius Afhüppe aus Reckenfeld führte viele Jahre lang zu Ehren des neuen Königspaares den Fahnenschlag aus. (Das Foto stammt aus den dreißiger Jahren.)